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Der Ex-Star

Einer der Autoren ist der Ex-DDR-Schwimmstar Roland Matthes.

Franzi mit R.MatthesNach seiner Sportkarriere wurde es ruhig um Roland Matthes. Heute arbeitet der Arzt Matthes in einer eigenen orthopädischen Praxis in der Nähe von Würzburg. Er ist zum zweiten Mal verheiratet und in der Freizeit ein leidenschaftlicher Motorrad-Freak. Das Franziska van Almsick Porträt war für den Schwimmer eine Herausforderung, aber auch eine angenehme Möglichkeit, Vergleiche zur eigenen sportlichen Karriere zu ziehen.

Geboren am 17. November 1950 im thüringischen Pößneck, brachte Roland Matthes schon als Schüler vieles mit, was auf eine außergewöhnliche Schwimmkarriere hindeutete. Er war ehrgeizig, kraftvoll und psychisch stark, besaß ein sehr gutes Bewegungsgefühl und wies äußerst günstige Körpermaße auf. Die Erfurter Trainerin Marlies Geisler-Grohe nahm ihn unter ihre Fittiche und formte aus dem schlaksigen Hünen den weltweit besten Rückenschwimmer der 60er und 70er Jahre. Matthes ging nicht nur wegen seiner 4 Olympiasiege und 3 Weltmeistertitel in die Schwimmgeschichte ein. Die Art, wie er seine Erfolge erschwamm, war es, die die internationale Schwimmwelt schwärmen ließ. Er lag nicht im, sondern auf dem Wasser, brachte seine Beine bis zu 90 Zentimeter auseinander, was Konkurrenten kaum schafften. Matthes war ein Schwimm-Ästhet, dessen einmalige Erfolgsbilanz während der Olympischen Spiele in Mexiko City 1968 begann. Mit 2 Siegen über 100 und 200 m Rücken durchbrach der 1,86 m große DDR-Schwimmer eine Domäne der sieggewohnten US-Amerikaner. 4 Jahre später in München dominierte Matthes mit Mark Spitz (USA) die Schwimmwettbewerbe und gewann auch bei den ersten Schwimmweltmeisterschaften 1973 beide Rückenkonkurrenzen. Bei seinem letzten großen internationalen Wettkampf während der Olympischen Spiele in Montreal 1976 holte er als fast 26jähriger "Schwimm-Methusalem" über 100 m Rücken immerhin noch einmal Bronze. Als Matthes seine sportliche Laufbahn beendete, hatte er 18 internationale Medaillen gewonnen.

Dann hörte man kaum noch etwas vom ehemaligen Star.

Weil er politisch nicht stromlinienförmig war, sich von der SED-Führung nicht gängeln ließ, hatte er in der Öffentlichkeit nichts mehr zu suchen. Das Aushängeschild des DDR-Sports verschwand in der Versenkung. Besonders übel nahmen ihm die Funktionäre seine Scheidung von Kornelia Ender 1982, weil die Hochzeit der beiden zum propagandistischen Staatsereignis hochstilisiert worden war. Die Drohung, vom Medizinstudium exmatrikuliert zu werden, folgte. Aus dem vom Staat geschenkten Haus flog er raus. Matthes geriet in eine tiefe persönliche Krise, die sich bis in die Wendezeit fortsetzte. Er wurde Zielscheibe des allgemeinen Unmuts "einer kurzsichtigen, breiten Masse", wie er es bezeichnete. Leute, die ihm einst zugejubelt hatten, wandten sich gegen ihn. Sie schütteten ihm Scherben vor die Garage, terrorisierten ihn an Tankstellen. Sie warfen ihm vor, unter Honecker privilegiert gewesen zu sein. Für Matthes Erlebnisse, die ihn tief enttäuschten. Er brach seinen Weg zur Promotion ab ung ging im Herbst 1989 in die Bundesrepublik. Dort angekommen wurde er Arzt für Orthopädie und physiologische Trainingssteuerung in der Fechter-Hochburg Tauberbischofsheim. Er gibt zu, daß ihm sein Name dabei sehr nützlich war. Interviews, in denen er mit der DDR abrechnete, hat er nicht gegeben. Sein diesbezügliches Credo: "Ich verkaufe mich nicht."


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